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Die Diskussion um Nahrungsergänzungen ist hitzig: Für die einen sind sie überflüssig oder gar riskant, für andere die Basis moderner Gesundheitsvorsorge. Doch nicht alle Produkte sind gleich. Der entscheidende Unterschied liegt oft im Konzept: Isoliertes Einzelvitamin aus dem Labor oder komplexes Mikronährstoffkonzentrat aus der Natur? Dieser Artikel bringt Klarheit in den Dschungel aus Tabletten, Kapseln und Säften. 

  • Natur vor Chemie: Der Körper kann Vitalstoffe am besten aufnehmen, wenn sie in ihrer natürlichen Matrix vorkommen, begleitet von sekundären Pflanzenstoffen und Enzymen, die die Aufnahme und Wirkung verbessern.

  • Komplexität: Ein gutes Konzentrat liefert nicht nur Vitamine, sondern orientiert sich an der Vielfalt der Natur (Obst, Gemüse, Kräuter, Öle).

  • Synergie-Effekt: Einzelpräparate wirken isoliert oft schwächer. In Konzentraten unterstützen sich Nährstoffe gegenseitig (z.B. Vitamin C verbessert Eisenaufnahme und wirkt zusammen mit sekundären Pflanzenstoffen bis zu 200mal stärker schützend).11

  • Zielgruppen: Besonders relevant bei Stress, für Sportler, Senioren, im Wachstum oder wenn die “5 am Tag”-Regel (Obst & Gemüse) nicht eingehalten wird.

Wenn du vor dem Regal im Reformhaus, der Apotheke oder dem Drogeriemarkt stehst, oder du recherchierst im Internet, dann musst du dich zwischen drei grundlegenden Philosophien entscheiden: 

1. Monopräparate (Tabletten & Kapseln) – das Isolations-Prinzip

Hierbei werden einzelne Vitamine oder Mineralien (oft synthetisch hergestellt) hochdosiert verabreicht. 

  • Ansatz: Orthomolekulare Medizin (Ausgleich spezifischer Mängel).

  • Problem: Es fehlen die Begleitstoffe. In der Natur kommt Vitamin C nie isoliert vor, sondern immer im Verbund mit Bioflavonoiden und anderen Pflanzenstoffen. 

  • Risiko: Höhere Gefahr von Überdosierungen oder Ungleichgewichten. 

  • Haltbarkeit: meist sehr lange haltbar

2. Mikronährstoffkonzentrate – das Ganzheits-Prinzip 

Diese Produkte basieren auf voll ausgereiftem Obst, Gemüse, Kräutern und pflanzlichen Ölen. Sie werden oft schonend zu einem Saftkonzentrat verarbeitet. 

  • Ansatz: Vitalstoffmedizin & Naturheilkunde. 

  • Vorteil: Sie liefern die “Breite Palette”: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente plus Tausende von sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenole, Carotinoide etc.) und Enzyme. 

  • Wirkung: Der Körper erkennt dies als “Lebensmittel” und kann die Stoffe oft besser verwerten (Bioverfügbarkeit). 

  • Haltbarkeit: Als Naturprodukt ist die Haltbarkeit meist begrenzt, deshalb sind die Produkte für den Ladenverkauf nur eingeschränkt geeignet. 

3. Multivitaminpräparate: das Mittelmaß-Prinzip 

Diese Produkte sind irgendwo zwischen Baum und Borke: sie versuchen möglichst viele Mikronährstoffe zu vereinen, sind aber praktisch immer synthetisch und es fehlt die natürliche Matrix, das Umfeld mit Pflanzenstoffen und natürlichen Ölen. 

  • Ansatz: Orthomolekulare Medizin, Versuch einer Basisversorgung 

  • Problem: Es fehlen wie bei den Einzelprodukten die Begleitstoffe. In der Natur kommt Vitamine nie isoliert vor, sondern immer im Verbund mit Bioflavonoiden und anderen Pflanzenstoffen. 

  • Risiko: Höhere Gefahr von Überdosierungen oder Ungleichgewichten. Auch kann es sein, dass (Im Gegensatz zu natürlichen Mikronährstoffkonzentraten) einige der Stoffe sich gegenseitig behindern oder gar in der Wirkung aufheben (z.B. Eisen und Zink)2 

  • Haltbarkeit: ähnlich wie synthetische Einzelprodukte meist sehr lange haltbar 

KriteriumMonopräparateKlassisches MultivitaminMikronährstoffkonzentrat
Hauptbestandteil Einzelne synthetische Vitamine oder Mineralien Oft synthetische Vitamine/Mineralien Obst-, Gemüse-, Kräuterextrakte, Öle 
Darreichungsform Tablette, Kapsel, Brause Tablette, Kapsel, Brause Saft, Sirup, flüssiges Konzentrat 
Sekundäre Pflanzenstoffe keine Meist fehlend oder gering Sehr hoch (natürliche Matrix) 
Bioverfügbarkeit Variable (oft Hilfsstoffe oder komplexe Verpackung der Vitamine nötig Variabel (oft Hilfsstoffe nötig) Hoch (durch flüssige Form & Co-Faktoren) 
Enzyme & Fermente keine Fehlen meist (hitzeempfindlich) Oft enthalten (z.B. milchsauer vergoren) 
Typischer Einkaufsort Drogerie, Supermarkt, Apotheke Drogerie, Supermarkt, Apotheke Direktvertrieb, Reformhaus, spezialisierte Apotheken 
Preisniveau Eher billig Günstig bis Mittel Mittel bis Premium 

Wie die Tabelle oben schon andeutet, ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die Sie treffen müssen, bevor Sie Sich für ein Produkt entscheiden, ist der Ort, wo Sie Ihr Produkt kaufen. 

Die folgende Tabelle fasst wichtige strukturelle Unterschiede zwischen Drogerie, Apotheke oder Direktvertrieb zusammen und soll Ihnen bei der Entscheidung helfen: 

KriteriumApothekenDrogerienDirektversand
Regulierung Hohe pharmazeutische Kontrolle Weniger streng Variable Standards 
Beratung Ausführlich, pharmazeutisch qualifiziert Begrenzt, Verkaufspersonal Meist keine persönliche Beratung 
Produktauswahl Mittlere bis breite Auswahl Breite Auswahl Sehr breite Auswahl 
Preis Höher (Preisbindung) Mittel bis günstig Oft günstiger 
Qualitätskontrolle Streng Moderat Unterschiedlich 
Verfügbarkeit Vor Ort sofort Vor Ort sofort Online/Versand (2-5 Tage) 

Nachdem wir nun einiges über eher theoretische Voraussetzungen gehört haben, will ich nun in die praktische Umsetzung gehen. Wir wollen nun klären: 

  • Wie unterscheiden sich die verschiedenen Produktklassen in der Wirkung? 

  • Wer sollte über eine Nahrungsergänzung nachdenken? 

  • Welche Mikronährstoffe haben welche Wirkungen? 

Warum raten viele Experten heute eher zu komplexen Konzentraten statt zu einer Handvoll verschiedener Pillen?

  • Synergie statt Solo: Vitalstoffe wirken im Team. Vitamin E schützt die Zellwand, benötigt aber Vitamin C, um “recycelt” zu werden. Ein Konzentrat liefert das ganze “Orchester”, nicht nur einen Solisten.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Unsere Zellen verarbeiten täglich tausende dieser Stoffe. Sie sind essenziell für die Wirkung der Vitamine. Einzelpräparate und auch Multivitaminprodukte liefern diese meist nicht. 

  • Darmgesundheit: Hochwertige Konzentrate enthalten milchsauer vergorene Säfte oder Enzyme, die den Darm pflegen und die Nährstoffaufnahme erst ermöglichen. 

  • Sicherheit: Da die Dosierung sich oft an natürlichen Lebensmitteln orientiert, ist die Gefahr toxischer Nebenwirkungen (wie teils bei isolierten, synthetischen Vitaminen diskutiert) praktisch nicht möglich. 

  • Bequemlichkeit: ”All-in-One” statt 5 verschiedene Dosen am Morgen. 

Dr. Harald Huether

“Der ‘innere Arzt’ in allen Zellen wird aktiviert, wenn das vollständige Spektrum an Vitalstoffen zur Verfügung steht. Andere Therapien wirken dadurch besser, da die Zellen wieder adäquat reagieren können.” – Dr. Harald Hüther

Nicht jeder braucht zwangsläufig Nahrungsergänzung. Aber moderne Lebensumstände erhöhen oft unseren Verbrauch oder wir nehmen täglich zu wenig Mikronährstoffe auf. 

Checkliste: Gehörst du zur Zielgruppe? 

  • Ernährungslücken: Du schaffst selten 5 Portionen frisches Obst und Gemüse am Tag. 

  • Stress: Bei hoher psychischer Belastung verliert der Körper massiv Mineralien (z.B. Magnesium) und Vitamin C über den Urin. 

  • Sport: Mehrverbrauch durch Muskelarbeit und Verluste über den Schweiß. 

  • Wachstum: Kinder benötigen Vitalstoffe für die Organentwicklung und das Wachstum. 

  • Senioren: Im Alter nimmt der Darm Vitalstoffe schlechter auf; die Nahrung muss hochwertiger sein.  

  • Medikamente: Chronische Krankheiten und Arzneimittel erhöhen oft den Vitalstoffbedarf enorm.3

  • Immunsystem: Zur Vorbeugung in der kalten Jahreszeit. 

Zur Vervollständigung dieses Ratgebers habe ich am Schluss noch etwas praktisches Wissen für Sie. Vermutlich haben Sie inzwischen verstanden, dass ich nach 25 Jahren intensiver Beschäftigung mit Ernährung und Mikronährstoffen ganz klar zu einer komplexen, natürlichen Mikronährstoffergänzung aus Lebensmitteln neige. 

Trotzdem schadet es selbstverständlich nicht, ein wenig über die Wirkungen der einzelnen Mikronährstoffe Bescheid zu wissen. Deshalb hier noch eine kurze Übersicht dazu. 

Ein gutes Konzentrat deckt idealerweise alle Bereiche ab. Hier ein Überblick, welche Inhaltsstoffe wofür zuständig sind:

NährstoffgruppeFunktion im KörperNatürliche Quellen (im Konzentrat)
Vitamine (A, C, E) Zellschutz, Immunsystem, Energie Ausgereiftes Obst, Sanddorn, Acerola 
Mineralien (Magnesium, Calcium) Nerven, Knochen, Muskeln Gemüse, Kräuter 
Spurenelemente (Zink, Selen) Entgiftung, Schilddrüse, Abwehr Nüsse, Kerne, Wurzelgemüse 
Sekundäre Pflanzenstoffe Entzündungshemmung, Krebsprävention Farbige Pigmente in Pflanzen, Kräuterextrakte 
Omega-3-Fettsäuren Gesunde Gefäße, Gehirnfunktion, Entzündungshemmung Pflanzliche Öle (Leinöl, Algenöl) 
Fischöl 
Enzyme & Fermente Verdauung, Stoffwechselaktivierung Milchsauer vergorene Gemüsesäfte 

Es gibt verschiedene Anbieter, die den Ansatz des “komplexen Konzentrats” verfolgen. Die Auswahl hängt oft vom persönlichen Geschmack und spezifischen Inhaltsstoffen ab. Hier einige bekannte Beispiele: 

  • LaVita: Ein Klassiker aus Deutschland. Setzt auf ein Konzentrat aus über 70 Lebensmitteln, inklusive Kräutern und pflanzlichen Ölen. Flüssig und wissenschaftlich gut untersucht. 

  • weitere Produkte: Vibracell, WON Gold

Wann ärztlich abklären? 

Obwohl Mikronährstoffkonzentrate Lebensmittel sind, gibt es Situationen für eine Rücksprache: 

  • Blutverdünner: Wer Marcumar o.ä. nimmt, muss bei Produkten mit viel Vitamin K (oft in grünem Gemüse/Kräutern) aufpassen. 

  • Schwere Nierenerkrankungen: Hier muss oft die Kaliumzufuhr überwacht werden. 

  • Unspezifische Symptome: Wenn du dich trotz gesunder Ernährung und Ergänzung schlapp fühlst, ist ein Blutbild beim Arzt (kein bloßes Raten!) sinnvoll, um organische Ursachen auszuschließen. 

Theoretisch ja. Die DGE empfiehlt 5 Portionen Obst und Gemüse täglich. In der Praxis schaffen das aber nur wenige. Zudem haben Lagerung, Transport und unreife Ernte den Vitamingehalt vieler Supermarkt-Waren reduziert. Wer Stress hat oder chronisch krank ist, hat zudem einen erhöhten Bedarf.

Die Herstellung ist aufwendiger. Es werden echte Lebensmittel verarbeitet, fermentiert und schonend konzentriert, statt chemische Pulver zu pressen. Man zahlt für die Komplexität und die natürliche Herkunft. Zudem hat man mehr für sein Geld, da die Aufnahme der Mikronährstoffe und die Verarbeitung im Körper besser ist. 

Bei wasserlöslichen Vitaminen (C, B) scheidet der Körper Überschüsse aus. Bei fettlöslichen (A, D, E, K) ist Vorsicht geboten. Dies passiert jedoch fast ausschließlich bei isolierten, synthetischen Hochdosis-Präparaten. Bei Konzentraten auf Lebensmittelbasis ist eine toxische Überdosierung bei Einhaltung der Verzehrempfehlung extrem unwahrscheinlich.

Das ist das Maß dafür, wie viel von einem eingenommenen Stoff tatsächlich im Blut ankommt und wirken kann. Natürliche Vitamine im Verbund mit sekundären Pflanzenstoffen haben meist eine höhere Bioverfügbarkeit als isolierte Stoffe.

Da Vitamine verbraucht werden, ist eine dauerhafte Basisversorgung (ähnlich wie tägliches Essen) sinnvoll. Viele spüren jedoch erst nach ca. 3 Monaten eine deutliche Veränderung, da sich Zellen erst regenerieren müssen.


  1. Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904 ↩︎
  2. Solomons NW. Competitive interaction of iron and zinc in the diet: consequences for human nutrition. J Nutr. 1986 Jun;116(6):927-35. ↩︎
  3. rosenfluh.ch/media/ernaehrungsmedizin/2005/03/Interaktionen-zwischen-Arzneimitteln-und-Mikronaehrstoffen.pdf ↩︎