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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, Knochen wachsen, das Gehirn vernetzt sich neu, und das Immunsystem befindet sich im Dauer-Training. Doch gerade in Wachstumsphasen oder der Pubertät klafft oft eine Lücke zwischen dem, was Kinder essen, und dem, was ihr Körper eigentlich bräuchte. 

Viele Eltern stehen vor dem Regal und fragen sich: Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll? Greife ich zu den bunten Gummibärchen oder doch zum Saftkonzentrat? Und wie vermeide ich eine Überdosierung? 

Dieser Artikel bringt Licht in den Dschungel der Kindervitamine, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

  • Hoher Bedarf: Kinder haben gewichtsbezogen einen deutlich höheren Vitalstoffbedarf als Erwachsene, besonders in der Pubertät.

  • Häufige Mängel: Subklinische Mängel (keine offenkundige Krankheit, aber verminderte Leistung) sind bei Vitamin D, Eisen, Zink und B-Vitaminen nicht selten.

  • Synergie statt Isolation: Ein komplexes Zusammenspiel aus Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen ist oft wirksamer als isolierte Einzelsubstanzen.

  • Vorsicht bei Zuckerfallen: Viele „Kinder-Vitamine“ (Gummies) enthalten unnötig viel Zucker und Zusatzstoffe. Flüssige Konzentrate sind oft die bessere Wahl.

  • Ziel: Die Basis ist immer eine gesunde Ernährung. Supplemente dienen dazu, Lücken in Wachstumsphasen und bei einseitiger Ernährung („Picky Eaters“) physiologisch zu schließen. 

Der Körper eines Kindes ist eine Baustelle im Vollbetrieb. Für das Längenwachstum, die Gehirnentwicklung und die Hormonumstellung (Pubertät) werden massive Mengen an Kofaktoren benötigt. Fehlen diese, läuft der „Bau“ langsamer oder fehleranfällig (Infektanfälligkeit, Konzentrationsschwäche).

Mein Tipp: Die Erfahrung aus meiner Praxis mit vielen Hundert Kindern, die ich gesehen und behandelt habe zeigt mir, dass praktisch jedes Kind unter mehr oder weniger ausgeprägter Unterversorgung vieler Mikronährstoffe leidet. Die Folgen sind sehr unterschiedlich und oft zeigen sich die Auswirkungen erst Jahre später oder gar erst im Erwachsenenalter. Deshalb rate ich grundsätzlich Kindern eine natürliche, breit aufgestellte Basisversorgung zu geben.

Hier ein Überblick über die kritischen Nährstoffe und ihre Funktion im kindlichen Organismus:

Nährstoff Funktion beim Kind Kritische Phasen / Warnsignale
Vitamin-B-Komplex Energiestoffwechsel, Nervensystem, Blutbildung Pubertät (höchster Bedarf!), Stress, Reizbarkeit 
Vitamin C Kollagenaufbau (Knochen, Knorpel), Immunsystem Häufige Infekte, langsame Wundheilung 
Zink Wachstum, Immunabwehr, Wundheilung Wachstumsverzögerung, „ewiger Schnupfen“, Neurodermitis 
Selen Schilddrüsenfunktion, Steuerung von Wachstum und Hormonbalance Wachstumsstörungen, Unklares Übergewicht, Frieren 
Eisen Sauerstofftransport, kognitive Leistung Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsschwäche (ADHS-ähnlich) 
Calcium & Magnesium Knochenaufbau, Nervenfunktion, Zahnaufbau Wachstumsschübe (“Wachstumsschmerzen”), Unruhe 
Vitamin D Knochenaufbau, Allergievorbeugung, Immunsystem Wachstumsphasen, Oktober bis Mai, wenig draußen in der Sonne 
Omega-3-Fettsäuren Gehirnentwicklung, Entzündungshemmung Lernschwierigkeiten, trockene Haut, Neurodermitis 
Sekundäre Pflanzenstoffe Antiviral, antibakteriell, Zellschutz Infektanfälligkeit 
Tabelle: Schlüsselnährstoffe für Wachstum & Entwicklung

Viele Eltern neigen dazu, einzelne Symptome mit einzelnen Tabletten zu bekämpfen (z. B. nur Vitamin C bei Erkältung). Die orthomolekulare Forschung zeigt jedoch, dass Vitalstoffe im Team arbeiten.

Warum komplexe Konzentrate oft vielen anderen Produkten überlegen sind:

  • Synergie-Effekt: Vitamin C wirkt besser mit Bioflavonoiden (Pflanzenstoffen). Calcium braucht Magnesium und Vitamin D für den Einbau in den Knochen.

  • Natürliche Matrix: Gute Konzentrate basieren auf natürlichen Säften und Kräuterextrakten. Diese enthalten Tausende von sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenole, Carotinoide), die isolierten Tabletten fehlen.

  • Bioverfügbarkeit: Flüssige Formen werden vom Körper oft besser aufgenommen als gepresste Tabletten. 

Hinweis: Studien deuten darauf hin, dass natürliche Vitalstoffkombinationen die Dauer von grippeähnlichen Infekten um bis zu 2/3 verkürzen können, während Einzelgaben oft weniger effektiv sind.

Ein großes Thema ist die Akzeptanz. Das gesündeste Vitamin bringt nichts, wenn das Kind es ausspuckt. Dennoch sollten Eltern genau auf die Zutatenliste schauen.

Vitamin-Gummies (Gummibärchen)

  • Pro: Werden von Kindern geliebt, hohe Compliance. 

  • Contra: Oft sehr hoher Zuckergehalt (Kariesgefahr, da sie an den Zähnen kleben). Enthalten meist nur isolierte Vitamine, keine sekundären Pflanzenstoffe. Gefahr, dass Kinder sie als Süßigkeit sehen und mehr wollen (Überdosierungsrisiko). 

Flüssige Mikronährstoffkonzentrate

  • Pro: Können in Wasser oder Joghurt gerührt werden. Ermöglichen die einfache Aufnahme einer breiten Palette an Vitalstoffen (inkl. Kräuterextrakten, Ölen). Dosierung leicht individuell anpassbar. 

  • Contra: Geschmack ist manchmal „krautiger“ oder intensiver (muss verdünnt werden). Flaschen müssen nach Anbruch gekühlt werden. 

Meine Empfehlung: Ein hochwertiges, flüssiges Konzentrat ist aus therapeutischer Sicht meist die sinnvollere Wahl für eine Langzeitversorgung. 

Viele Mythen halten sich hartnäckig. Hier ein paar Fakten dazu:

❌ Mythos: „Mein Kind ist satt, also ist es gut versorgt.“ 

✅ Fakt: Sättigung kommt oft durch „leere Kalorien“ (Nudeln, Brot, Zucker). Mikronährstoffe fehlen dabei meistens („High Calorie, Low Nutrient“). 

❌ Mythos: „Vitamine braucht man nur im Winter.“ 

✅ Fakt: Wachstum findet das ganze Jahr statt. Zudem verbraucht Stress (Schule) auch im Sommer B-Vitamine und Vitamin C. 

❌ Mythos: „Zusätzliche Vitamine sind gefährlich (Überdosierung).“ 

✅ Fakt: Bei wasserlöslichen Vitaminen (B, C) scheidet der Körper Überschüsse aus. Bei fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) ist Vorsicht geboten, allerdings Studien bei natürlichen Konzentraten dass auch hier der Körper keine Überschüsse ansammelt. Im gegensatz zu synthetischen Mikronährstoffen eignen sich natürliche hervorragend, um physiologische Lücken zu schließen , da sie keine Hochdosis-Therapie darstellen.  

Merke: Subklinische Mängel sind bei Kindern weitaus häufiger als Überdosierungen. 

Es gibt viele Anbieter auf dem Markt. Worauf sollten Sie achten?

Qualitätskriterien für Kinder-Supplemente

  • Natürliche Basis: Konzentrate aus Obst, Gemüse und Kräutern statt reiner Chemielabor-Mischung.

  • Komplexität: Enthält es das volle Spektrum (Vitamine + Spurenelemente + Sekundäre Pflanzenstoffe)?

  • Frei von: Künstlichen Süßstoffen, Farbstoffen und Konservierungsmitteln.

  • Wissenschaftliche Basis: Gibt es Studien zum Produkt oder den Inhaltsstoffen?

Exemplarische Marken (Beispiele)

  • LaVita: Ein Mikronährstoffkonzentrat, das oft von Experten empfohlen wird, da es wissenschaftlich geprüft ist und eine sehr breite Matrix aus über 70 Lebensmitteln inkl. Kräutern und pflanzlichen Ölen bietet. 

  • Orthomol Junior: Bekannt aus der Apotheke, oft als Kautabletten oder Direktgranulat verfügbar (spezifische Anwendungsgebiete). 

  • Rotbäckchen: Klassische Säfte auf natürlicher Basis (oft Fokus auf Eisen/Immunsystem), gut verfügbar im Drogeriemarkt. 

  • Sanostol: Der Klassiker, hierbei jedoch auf die zuckerfreien Varianten achten. 

Sobald die Beikost durch Familienkost ersetzt wird und man merkt, dass das Kind keine fünf Portionen Gemüse und Obst jeden Tag isst oder sehr einseitig isst („Picky Eater“) oder wenn Infektanfälligkeit besteht. Viele Konzentrate sind ab dem Kleinkindalter dosierbar (Herstellerangaben beachten).

Bei Einhaltung der Verzehrempfehlung von hochwertigen Komplexmitteln ist dies sehr unwahrscheinlich. Vorsicht ist geboten, wenn Sie mehrere Präparate gleichzeitig geben (z. B. Vitamin-D-Tabletten vom Arzt + Multivitamin-Gummis + angereicherte Cornflakes).

Es gibt Hinweise darauf. Studien zeigen, dass eine gute Versorgung mit B-Vitaminen, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren die kognitive Leistung unterstützen und Unruhe mildern kann. Es ersetzt keine Therapie, ist aber eine wichtige Basisbegleitung.

Hier ist die Darmgesundheit wichtig. Vitalstoffe wie Vitamin D, Zink und Omega-3-Fettsäuren können entzündungshemmend wirken und das Hautbild verbessern. Auch Vitamin C wirkt als natürliches Antihistaminikum.

Bei anhaltender Müdigkeit, Blässe, Wachstumsstopp oder extrem häufigen Infekten (mehr als 1 Infekt alle zwei Monate) sollten Sie einen Kinderarzt Konsultieren.


  • Vitamin D Status bei Jugendlichen: González-Gross M. et al., Vitamin D status among adolescents in Europe: the Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence study. British Journal of Nutrition, 2012. (Belegt weit verbreiteten Mangel). 

  • Eisen und Kognition: Halterman J.S. et al., Iron deficiency and cognitive achievement among school-aged children and adolescents. Pediatrics, 2001. (Zusammenhang zwischen Eisenmangel und schlechteren Schulleistungen). 

  • Zink und Immunsystem: Singh M., Das R.R., Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev., 2011. (Belegt Reduktion der Erkältungshäufigkeit und Antibiotika-Einsatz). 

  • Komplexe Vitalstoffe & Infekte: Rösler D. et al., Reduction of influenza-like infections by a phytoextract-vitamin-combination. MMW Fortschr Med., 2012. (Zeigt signifikante Reduktion von Infekten durch Kombinationspräparate). 

  • ADHS und Mikronährstoffe: Lange K.W., Micronutrients and Diets in the Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: Chances and Pitfalls. Front Psychiatry. 2020 (Untersucht den Einfluss von Ernährung und Mikronährstoffen auf Hyperaktivität). 

  • Bioverfügbarkeit von Konzentraten: Muss C., Mosgoeller W., Endler T., Bioavailability of a liquid Vitamin Trace Element Composition in healthy volunteers. Neuro Endocrinol Lett., 2015. (Bestätigt gute Aufnahme flüssiger Komplexmittel wie LaVita). 

  • Neurodermitis und Vitamin D: Samochocki Z. et al., Vitamin D effects in atopic dermatitis. J Am Acad Dermatol., 2013. 

  • Vitamin C und Infektrate: Elste V. et al., Emerging Evidence on Neutrophil Motility Supporting Its Usefulness to Define Vitamin C Intake Requirements. Nutrients, 2017.